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Weihnachten 2025

1. Timotheus 3, 16

Groß ist, wie jedermann bekennen muss, das Geheimnis des Glaubens: Er ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit.

Ein ungewöhnliches Weihnachtslied, dieser Vers aus dem 1. Timotheusbrief. Worte wie Blattgold, leuchtende Farben, überirdische Schönheit, weihnachtliches Glänzen. Kein Stallgeruch, keine Familie in der Notunterkunft, keine ärmlichen Hirten. Hinter der Kulisse von Stall und Krippe schimmert himmlisches Leuchten, die Engelschöre übertönen das Blöcken der Schafe.

Da verbirgt sich ein Geheimnis hinter der Geschichte, wie wir sie kennen, die „sich begab zu der Zeit, als Quirinius Statthalter in Syrien war“.

Dieses Liedes aus dem 1. Timotheusbrief meint: ganz Weihnachten ist ein großes Geheimnis. Drei Wortpaare umschreiben in Form eines Hymnus das Geheimnis Christi:
„… offenbart im Fleisch – gerechtfertigt im Geist.
Erschienen den Engeln – gepredigt den Heiden.
Geglaubt in der Welt – aufgenommen in die Herrlichkeit.“

Alle Bereiche der Welt und des Lebens sind in das Heilsgeschehen miteinbezogen. Himmel und Erde, Menschen und Engel. Die Geburt Christi im Stall, das Kind in der Krippe ist ein kosmisches Ereignis. Christus verbindet Himmel und Erde. Himmel und Erde werden in ihm eins. Ein Geheimnis beschrieben mit hymnischen, poetischen Worten.

In unserer erforschten und durchleuchteten Welt scheint es kaum noch Geheimnisse zu geben. Die Welt scheint beherrschbar zu sein. Der Mensch entreißt der Natur ein Geheimnis nach dem anderen. Und was der Mensch nicht schafft, schafft die KI. Alles lässt sich analysieren, quantifizieren, prognostizieren, organisieren. Alle Rätsel werden gelöst werden, wenn nicht heute, dann morgen. Dann wird die Welt ohne Geheimnisse sein, durchsichtig wie eine Glaskonstruktion.

Aber ist das wirklich so? Werden wirklich die letzten Fragen beantwortet werden?
Wohl kaum. Der Welt und dem Leben wohnt immer ein Geheimnis inne, das nicht lösbar ist, das Geheimnis des Warum, des Woher und Wohin, des Wozu. Das Geheimnis des Lebens und des Sterbens, das Geheimnis der Liebe und des Sinns. Dieses Geheimnis zu lösen oder auch nur über dieses Geheimnis nachzudenken, dazu ist Wissenschaft und noch so kluger Forscherdrang nicht in der Lage.

Es ist das Geheimnis Gottes mit dieser Welt, sein Sein und Wollen in und unter und hinter allem. Zu diesem Geheimnis findet nur der Glaube Zugang. Und auch der Glaube wird dieses Geheimnis nie lösen, sondern je tiefer er in es eindringt, desto größer wird es ihm. Es geht beim „Geheimnis des Glaubens“ nicht um ein Rätsel, das man lösen könnte. Dies Geheimnis verweigert sich dem Ansinnen einer Lösung. Es entzieht sich der rationalen Auslegung und analytischen Erklärungen. Es will nicht aufgelöst, sondern geachtet werden.

Das Geheimnis des Glaubens erschließt sich in Andacht und Anbetung. Es will nicht erklärt, sondern besungen, es will nicht mit dem Kopf begriffen, sondern im Herzen bewegt werden. Es ist immer größer, als jemand je von ihm singen und sagen kann.

„Groß ist das Geheimnis des Glaubens.“ Gott wird Mensch. Gott wird geboren als Kind. Gott kommt in unsere Welt und unser Leben. Dieser eine Vers aus dem Timotheusbrief ist die kürzeste Weihnachtsgeschichte der Bibel: „… offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit.“ – Ein Weihnachtslied, das das Geheimnis der Menschwerdung Gottes besingt. Mehr können auch wir nicht tun.

A. Bollengraben



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