Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu
Jahreslosung für 2026 aus Offenbarung 21, 5
Reiner Vogels

Das Wort aus der Offenbarung des Johannes soll uns durch das kommende Jahr begleiten. Und es kann sehr guter Begleiter für das Jahr sein.
Drei Wörter aus der Jahreslosung möchte ich hervorheben, weil sie entscheidend sind. Einmal ist es das Wort „ich“. Dann ist es das Wort „alles“ und schließlich gilt es, das Wort „neu“ zu bedenken.
Ich
Dieses Wort ist die Basis von allem. Die Menschen haben zu allen Zeit gewußt, daß die Welt, in der sie leben, keine ideale, sondern eine unerlöste Welt ist. Sie haben daher zu allen Zeit den Versuch unternommen, die Welt besser und vielleicht sogar vollkommen zu machen. Im Zeitalter der europäischen Aufklärung haben die Philosophen auf die „Erziehung des Menschengeschlechts“ (Lessing) gesetzt. Durch Bildung und Erziehung wollten sie die Menschen besser machen und mit ihnen eine bessere Gesellschaft bauen. Sie haben auf die Zeit gehofft, in der, wie es in Schillers Ode an die Freude heißt, alle Menschen Brüder werden.
Spätestens in den Schützengräben von Verdun im 1. Weltkrieg und in den Gaskammern von Auschwitz ist dieser Glaube zusammengebrochen. Die Erfahrung hat gelehrt: Der Mensch kommt von sich selbst nicht los. Er ist und bleibt ein Sünder.
Letztlich ist auch der Versuch des Kommunismus, der darauf gesetzt hat, durch die Schaffung einer klassenlosen Gesellschaft alles zum Guten zu wenden, an dieser Tatsache gescheitert.
Und auch der heutige Versuch des Transhumanismus, der durch eine Verbindung von Mensch und Computer die Ziele der Aufklärung doch noch erreichen will, ist aus demselben Grund zum Scheitern verurteilt.
Da bedeutet das Wort „ich“ in unserer Jahreslosung die einzige Hoffnung, die nicht täuscht. Schließlich steht „ich“ für Gott. Und Gott ist der einzige, der die Macht und den Willen hat, unsere unerlöste Welt und mit ihr uns unerlöste Menschen zu retten.
Alles
Alles heißt wirklich alles, ohne jede Ausnahme. Es geht im verheißenen Heilshandeln Gottes nicht nur um die Überwindung des Übels in der Welt. Es geht nicht nur um den Sieg über Krankheit und Tod, sondern es geht auch um uns Menschen selbst.
Das heißt: Auch wir müssen radikal erneuert werden. Um es mit den Worten des Propheten Hesekiel zu sagen: Das „steinerne Herz“ wird Gott aus uns entfernen und es durch ein „fleischernes Herz“ ersetzen müssen (Hes. 36, 26). Das ist notwendig, denn wenn wir Menschen so in der kommenden Welt blieben, wie wir heute sind, würden wir auch die kommende Welt zu einer üblen Welt machen.
Nun wird ja im Buch der Offenbarung in den Kapiteln vor unserer Jahreslosung von vielen schrecklichen und grausamen Geschehnissen berichtet. Da aber unsere Jahreslosung unter all dies Furchtbare eine Art Schlußstrich zieht, darf man darauf hoffen, daß das Wort „alles“ all das Furchtbare mit einschließt. Mit anderen Worten: Man darf auf die endgültige Erlösung aller hoffen. Welchen Sinn sollte sonst das „hinabgestiegen in das Reich des Todes“ in unserem Glaubensbekenntnis haben?
Neu
Neu heißt: ganz anders. Die kommende Welt wird so total anders sein als die Welt, in der wir leben, daß wir so viel Spekulation und Phantasie aufwenden können, wie wir wollen, und uns dennoch ganz und gar nicht vorstellen können, wie sie denn wirklich sein wird. Diese Welt zu errichten ist Sache Gottes. Wir können lediglich darauf vertrauen, daß er das schon richtig machen wird.
Nehmen wir diese Verheißung Gottes mit in das Jahr 2026 und lassen sie zu einem täglichen Begleiter für uns werden! Dann werden wir Ruhe finden für unsere Seelen (Mt. 11, 29).
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