Bericht Konventstagung Luth. Konvent 08.03.26 in Bonn
Mehr als 30 Teilnehmer besuchten die Frühjahrstagung des Lutherischen Konventes im Rheinland im Gemeindezentrum der Kreuzkirche am 8. März 2026 in Bonn. Im Mittelpunkt stand der Vortrag von Prof. Dr. Wilfried Härle (Heidelberg) zum Thema „Luther und Barth – wem sollen wir folgen?“ Härle stellte die theologischen Wendungen Karl Barths seit der Zeit des 1. Weltkriegs in ihren Intentionen und Schattenseiten dar: Die negative Sicht der Schöpfung in seiner „dialektischen Theologie“, die Menschlichkeit Gottes und Christozentrik in der Zeit der Barmer Theologischen Erklärung, das Analogie-Denken seit den Anfängen seiner Kirchlichen Dogmatik bis hin zur Problematik seines Ansatzes der „Königsherrschaft Christi“ in der politischen Ethik und der Entsakramentalisierung der Taufe im am Ende seines Lebens. Dem stellte Härle die positive Sicht der Schöpfung bei Luther und sein Denken in Unterscheidungen gegenüber, in dem besonders das Handeln Gottes und das Handeln des Menschen klar differenziert werden. Die Gefahren des Analogie-Denkens bei Barth zeigen sich vor allem in seiner politischen Ethik, die unter Berufung auf den "König" Jesu Christus einen undemokratischen, theokratischen Zug bekommt. Demgegenüber war es Luther wichtig, die beiden Regierweisen Gottes zu unterscheiden, der mit dem Evangelium, nur mit dem Wort und gewaltlos, die Herzen der Christen durch den Glauben regiert und auf der anderen Seite durch den Staat, unter Androhung und Anwendung von Gewalt, die Welt erhält, das Recht wahrt und die Menschen vor Verbrechern schützt. Härle kritisierte, dass Barth sich nur oberflächlich mit Luther beschäftigt habe und so nicht in die Tiefe seiner Theologie eindringen konnte. Durch Barths Umkehrung der Reihenfolge von "Evangelium und Gesetz" drohe das Evangelium selbst vergesetzlicht zu werden. Härle widerlegte die Behauptung, die Barmer Theologische Erklärung sei hauptsächlich von Karl Barth verfasst worden. Vielmehr sei die Handschrift des lutherischen Pastors Hans Asmussen deutlich zu erkennen. Eine lebhafte Diskussion schloß sich an.
Die Auseinandersetzung mit der Theologie Barths begleitet den Lutherischen Konvent seit seiner Gründung 1936 als Teil der Bekennenden Kirche. So konnte der Lutherische Konvent in den Jahren 1968-70 die von ihm u.a. geforderte Abschaffung der Kindertaufe verhindern. Immer wieder wandte sich der Konvent gegen die Politisierung der Kirche, die als Reaktion auf den nationalsozialistischen Einfluß mit Berufung auf Barth besonders die Ev. Kirche im Rheinland bis heute prägt und ihre geistliche Kraft und Klarheit behindert und verdunkelt.
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