Andacht zu Pfingsten aus Johannes 3, 8a:
„Der Wind bläst, wo er will“.

Lieber Leser,
in der Nacht bekommt Jesus hohen Besuch. Nikodemus, ein Mann aus der jüdischen Elite, besucht ihn, um ihm wichtige Fragen zu stellen.
Niemand soll es mitbekommen, daß Nikodemus zu Jesus kommt und religiöse Fragen hat. Denn muß so ein gelehrter Mann nicht alles wissen?
Nikodemus erkennt Jesus als von Gott kommend an. Schnell kommt das Gespräch auf den wichtigen Punkt zu: Ohne geistliche Erneuerung ist keine Veränderung für den Menschen möglich. Der heilige Geist muß am Menschen wirken, sonst kann er innerlich nicht erneuert werden.
An jedem Pfingstfest feiern wir die Erneuerung durch den heiligen Geist, der vor über 2.000 Jahren auf die Jünger Jesu ausgegossen wurde und aus verängstigten, kleinmütigen Nachfolgern mutige und entschlossene Christen gemacht hat.
Pfingsten ist heute für die Bevölkerung in Deutschland das unbekannte Fest. Man freut sich aber trotzdem an den zwei Feiertagen, an denen die meisten Arbeitenden frei haben.
Das Pfingstfest ist mehr als arbeitsfreie Zeit: 50 Tage nach Ostern wird der Heilige Geist über die Gläubigen ausgegossen und die Gläubigen geistlich erneuert.
Aber wollen wir auch erneuert werden? Haben wir uns nicht schon längst mit den Umständen angefreundet und die festen Strukturen in Kirche und Gesellschaft akzeptiert?
Der Wind, der Heilige Geist, aber weht eben, wo er will. Er läßt sich nicht in Gesetze gießen oder in neu festgelegten Strukturen fixieren. Er ist frei und weht, wann und wo er will.
Das ist sicherlich eine schreckliche Erkenntnis für diejenigen, die gerne alles in Paragraphen und festen Strukturen regeln wollen.
Nun bezieht Jesus den Wind aber auf diejenigen, die an ihn glauben. Das wird an den Worten deutlich, die darauf folgen: „So ist ein jeder, der aus dem Geist geboren ist“.
Jesus bezieht den Geist/ den Wind auf den persönlichen Glauben an ihn selbst. Wer im Glauben an ihn steht, der ist wirklich nicht berechenbar wie der Wind bei der Wettervorhersage.
Denn der Gläubige wird vom Heiligen Geist bewegt.
Unser Vers will damit aber nicht sagen, daß der Gläubige sein Fähnlein nach dem Wind ausrichten soll. Er steht schon auf einem festen Glaubensfundament. Aber er ist frei. Er ist befreit von Sünde, Tod und Teufel und darf froh seinen Glaubensweg gehen.
Pfarrer Andreas Stöcker
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